Pferd ./. Pferd – Von Recht, Gesetz und Versicherungen (Ein Weideunfall) … und von Hunden …

paragraph2Der Sommer ist da. Die Pferde sind auf der Weide.

Glücklich kann sich schätzen, wer die Sonnenstrahlen und die warmen Temperaturen für Ausritte mit seinem Pferd nutzen kann.

Die Pferde stehen auf der Weide und grasen (meist friedlich) vor sich her …

… oder auch nicht …

Das Problem
Damit es den Pferde auch richtig gut geht, führen wir sie auf die Weide, dass sie grasen und galloppieren mögen, sich wohlfühlen und Kontakt zu anderen Artgenossen haben können.

In Letzterem hingegen liegt natürlich auch die Gefahr für und von unseren vierbeinigen Freunden. Denn wenn mehrere Pferde zusammenstehen, kommt es naturgemäß immer wieder zu Rangeleien um Futter, Platz an der Sonne oder im Schatten und kleinere oder größere Rangkämpfe.

Insbesondere dann, wenn die Pferde sich noch nicht kennen, ihre Frühlingsgefühle austoben und die Rangfolge in der Herde klären wollen, kann dies unter Umständen schon einmal zu Verletzungen der Tiere untereinander führen.

Je nach Schwere der Verletzung ist dann eine tierärztliche Behandlung oder sogar mehr notwendig. Dies löst natürlich Kosten aus oder mindert den Wert eines Pferdes.

Dann stellt sich die Frage, wer denn nun für den Schaden aufkommen muss und ob es so etwas wie ein „Selbstverschulden“ des verletzten Pferdes gibt.

Die folgenden Hinweise gehen dabei davon aus, dass die Tiere als Hobby gehalten und genutzt werden. Denn für Pferde, die dem Broterwerb dienen (o.ä.) gelten unter Umständen andere Maßstäbe.

Das Recht und Gesetz

Um solche Rechtsstreitigkeiten zu lösen hat der Gesetzgeber Vorschriften erlassen, die insbesondere bei Schadensfällen mit Tieren zur Geltung kommen sollen.

Ausgangspunkt ist hierfür die Regelung des § 833 BGB, die sogenannte Tierhalterhaftung.

Diese Haftung gilt grundsätzlich unabhängig von einem Verschulden. Sofern also jemand anders einen Schaden durch Ihr Pferd erleidet, haften Sie. Eine Mithaftung des Geschädigten ist erst einmal nicht vorgesehen.

Etwas anderes, also eine anteilige eigene Haftung des Eigentümers des geschädigten Pferdes kommt nur unter bestimmten Gesichtspunkten in Betracht. Dafür müsste nämlich der geschädigte Pferdebesitzer mindestens fahrlässig gehandelt haben.

Nun könnte man auf die Idee kommen, dass bereits das Zusammenstellen des eigenen Pferdes mit anderen Pferden auf einer Weide eine solche Fahrlässigkeit begründet. Hier ist aber zu sehen, dass Pferde nun einmal Herdentiere sind. Das Zusammenstellen von Pferden auf einer Weide entspricht also der natürlichen Form des Zusammenlebens von Pferden und damit einer artgerechten Haltung.

Um aber ein Mitverschulden annehmen zu können, müsste das geschädigte Pferd (oder dessen Besitzer) aktiv daran mitgewirkt haben, dass es zu einem Schaden gekommen ist. Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, sofern Pferde sich gegenseitig verletzen, weil sie miteinander um ihren Rangplatz kämpfen.

Wie hoch die dadurch bewirkte Haftungsquote der einzelnen Pferde ist, muss im Einzelfall ermittelt werden und kann hier nicht pauschal beantwortet werden.

Ein solches Mitverschulden muss aber positiv nachgewiesen werden, was in der Praxis oft schwierig oder gar unmöglich ist. Geht die Sache vor Gericht, gelten die allgemeinen Beweisregelungen des Zivilrechts.

Der Regelfall dürfte daher immer sein, dass sich aus der Tierhalterhaftung des § 833 BGB eine vollständige Ersatzpflicht gegenüber dem (alleine) geschädigten anderen Pferd bzw. dessen Besitzer ergibt.

Die Versicherung

Hoffentlich haben Sie daher eine Tierhalterhaftpflichtversicherung abgeschlossen, die für solche Schäden einzutreten hat.

Diese sträuben sich aber oft, den vollen gegnerischen Schaden zu ersetzen und gehen dann von einem hälftigen Mitverschulden aus. Eine meist angewandte Quote beträgt meist lediglich 50 % des Schadens.

Durch die Rechtsprechung wurde dem aber bereits öfters widersprochen. Lässt sich nämlich der Hergang des Schadensereignisses nicht mehr konstruieren, liegt aber eine Verletzung (also ein Schaden) unstreitig vor, so greift § 833 BGB. Hiernach besteht die Verpflichtung des Tierhalters … und damit i.d.R. auch für dessen Haftpflichtversicherer … den vollen Schaden zu ersetzen.

Dafür muss man dann aber im Zweifel eben auch gegen die eigene Versicherung vorgehen.

Andere Tiere … Hunde, Katzen etc.

Das zuvor Gesagte betrifft übrigens nicht nur Pferde, sondern jede Art von Tiere, welche aufeinandertreffen und sich verletzen können. Deshalb ist es aus rechtlicher Sicht dringend geboten, eine entsprechende Haftpflichtversicherung abzuschließen. Dies gilt für jede Art von Tier, denn auch ein Hund oder eine Katze kann vor ein Auto laufen oder ein Kind oder Erwachsenen beißen. Und Urteile zur Haftung von Vögeln, welche in die Triebwerke von Flugzeugen geraten sind, gibt es auch …

Zusammenfassung

Grundsätzlich haftet der Tierhalter für alle von seinem Tier angerichteten Schäden. Eine Mithaftung des Geschädigten ist denkbar, in der Praxis aber oft schwer zu beweisen.

Sofern die Versicherung sich auf eine Mithaftung des Gegners oder einem selbst gegenüber beruft, sollte man dies prüfen lassen und ggf. gegen die Versicherung vorgehen.


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Bitte beachten Sie auch unseren rechtlichen Hinweis.

Sicherung einer Pferdewiese in der Nähe von Verkehrsstraßen … und sonst auch …

Pferde sind tolle Tiere. Doch irgendwo müssen sie auch untergebracht werden. Für die Tiere ist natürlich eine große Weide am besten (und leckersten).

Aber Pferde sind eben auch große Tiere, die einen bestimmten Freiheitsdrang haben und, wenn sie sich erschrecken, auch schon einmal durch Hecke und Zaun gehen können … oder wenn sie das Gras auf der anderen Seite des Zaunes einfach leckerer finden.

Befindet sich die Pferdeweide dann in der Nähe von Straßen oder grenzt direkt an eine Straße an, stellt sich die Frage, welche Sorgfaltspflichten den Pferdehalter treffen.

Für privat gehaltene Pferde gibt es die sog. Halterhaftung, die grundsätzlich verschuldensunabhängig gilt. Dies hatte ich schon einmal im Zusammenhang mit Weideunfällen diskutiert.

Daher treffen den Pferdehalter natürlich auch Sorgfaltspflichten bei der Weidehaltung. Grenzen solche Weiden an Straßen, so fordert die Rechtsprechung besonders hohe Pflichten, damit Dritte nicht durch entlaufende Pferde geschädigt werden. Grundsätzlich gilt dies natürlich auch bei Weiden, die auf dem Lande liegen, aber in Straßennähe sind die Anforderungen besonders streng.

So müssen die Zäune laufend auf Beschädigungen geprüft und diese dann natürlich auch behoben werden. Auch muss der Zaun ständig auf Bruchfestigkeit untersucht werden.

Auch das Tor zur Weide muss gegen unbeabsichtigtes Öffnen gesichert werden. Dies gilt nicht nur in Bezug auf die Pferde selbst, sondern auch auf (mehr oder weniger) voraussehbare Einwirkung von Fremden, also fremden Tieren oder anderen Personen.

Besonders dann, wenn damit gerechnet werden muss, dass Unbefugte das Tor öffnen könnten, so genügt ein einfacher Verschluss des Tores ohne besondere Vorrichtungen nicht. Vielmehr muss das Schloss zum Beispiel durch ein Vorhängeschloss verschlossen werden. Dies gilt besonders auch für Zeiten, in denen eine Überwachung nicht oder nur selten erfolgen kann, wie in der Nachtzeit.

Dies gilt im Übrigen auch für Stalltüren, je nach der Beschaffenheit oder Zugänglichkeit.

Für die Umgrenzung der Weide dürfte auch ein einfacher Holzzaun nicht ausreichen. Dieser sollte durch einen elektrischen Weidezaun unterstützt werden, welcher die Pferde davon abhält, diesen zu durchbrechen oder ihn durch unbeabsichtigtes Berühren zu beschädigen.

Manche Gerichte (z.B. das OLG Celle) fordern, dass die Pfahlabstände nicht mehr als 3 Meter bis 3,5 Meter betragen und die Pfähle selbst eine für die Tiere (und wohl auch Menschen) gut sichtbare Abgrenzung darstellen. Die Pfähle sollen nach Ansicht der Gerichte dann mindestens 7 cm breit sein. Auch zu den Anforderungen an die Höhe des Zaunes haben sich die Gerichte geäußert und in Entscheidungen gefordert, dass die Höhe des Zaunes mindestens die Widerristhöhe des größten Tieres abzgl. maximal 10 % betragen soll.

Auf Grund der Tierhalterhaftung ist es ohnehin fast unmöglich einer Haftung tatsächlich zu entkommen. Dennoch kann ein Mitverschulden des Halters ggf. begrenzt werden, wenn er/sie wenigstens die Anforderungen an die Sicherung der Weide beachtet hat.

Im Hinblick auf die Zäune sollte im Übrigen, unabhängig von der Rechtsprechung, auch beachtet werden, dass Pferde nun einmal kräftige Tiere sind und auch einen 7 cm dicken Holzpfahl wohl ohne größere Mühe umdrücken können. Ein elektrischer Weidezaun kann daher zusätzliche Sicherheit bieten und die Pferde auf Abstand vom Zaun halten, wenn er entsprechend angebracht ist. Dann muss aber auch die Batterie/Stromversorgung ständig geprüft sein…

Die Rechtsprechung zu diesem Thema ist umfassen, daher können die vorgenannten Angaben natürlich lediglich Richtwerte sein. Es gilt: Je sicherer, desto besser …

Also, achten Sie bei der Haltung Ihrer Pferde auf eine (sehr) gute Sicherung der Weiden … was im Übrigen ja nicht nur dem Schutz Dritter, sondern auch dem Schutz Ihrer Tiere nützt.

(Bitte beachten Sie auch unsere rechtlichen Hinweise)

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